"Gott vertrauen
Ein Platz in mir, ein Gotteshaus
Kerzen anzünden"
Beim Umstieg in Züssow bin ich voll vor einen Laternenpfahl gelaufen. Es fühlt sich so an als hätte ich einen ko. Schlag auf Nasenspitze bekommen. Meine zwei Vorderzähne sind dabei in Mitleidenschaft gekommen. Ich hatte gerade ein intensives Gespräch mit Margret begonnen und war in der Vorwärtsbewegung abgelenkt. Beim Umsteigen habe ich notfallmäßig reagiert. Magret war mehr erschrocken als ich und kam sofort nach mir schauen. Ich habe sofort den Zugchef um Hilfe gebeten. Er hat mir einen gefrorenen Kuchen zur Kühlung mit Handtuch gebracht. Die Kühle war fürs erste das Beste. Erst in Berlin beim erneuten umsteigen war ich wieder einigermaßen bei mir. Dagmar brauche ich dann um ein Schmerzmittel zu nehmen und Traumel. Jetzt kurz vor Frankfurt am Main geht es mir langsam wieder besser.
Zum Abschied in Zinnowitz gibt es einen Regenguss. Das Wetter war mir dennoch in den 4 Wochen gewogen, auf jeden Fall nie zu warm. Eben typisch norddeutsch, ständig wechselnd. Ich schaue auf den Kurpark von Zinnowitz, im Hintergrund eine verlassene Anlage aus DDR Zeiten. Auch nach 26 Jahren schüttelt mich diese Geschichte unserer Länder. Oberflächlich scheint alles in Ordnung, nur darunter ist vieles noch unversöhnlich. Die verlassenen Gebäude sind Mahnmale der Vergangenheit und zeigen sichtbar die Wunden der Gegenwart.
Was ist mit meiner Versöhnung? Ich kann besser zuhören, ich kann besser verstehen wie verschieden die Wiedervereinigung für West und Ost war. Ich konnte einfach bleiben wie ich war. Konnte mich freuen im überlegenen System gelebt zu haben. Für mich war die Wende nur Gewinn, ich habe meinen verloren gegangenen Teil Deutschlands zurück bekommen.
Ich habe im Kulturprogramm in Greifswald von den Vineta-Festspielen gelesen. Samstag ist in Zinnowitz Premiere, schade da bin ich auf meiner Rückreise. Da fällt mir ein, bei der Generalprobe holt man gerne Publikum dazu. Ich organisiere mir die Nummer der Chefdramaturgin und spreche meinen Wunsch auf Band. Das war vor ein paar Tagen, heute am Nachmittag der Rückruf. Sie wäre krank, habe aber den Wunsch an ihre Kollegin weiter gegeben. Pünktlich bin ich am Eingangstor der Festspiele, es ist eine Freilichtbühne. Die freundliche Dramaturgin kommt aus Anklam mit dem Auto vor gefahren um die Generalprobe wegen des Gewitters abzusagen. Schade...
Heute auf der letzten Strecke meiner Pilgerreise war es noch einmal zauberhaft. Ich war schon früh unterwegs und hatte am Anfang die Strandpromenaden fast für mich allein. Die längsten Abschnitte gingen durch hellgrüne Buchenwälder mit erheblichen Höhendifferenzen.
Heute bin ich zum Ziel meiner Pilgerreise gekommen. Dort ging es indem Moment etwas hektisch zu, mehrere Krankenwagen und ein Notarzt waren im Einsatz. Dennoch konnte ich dann den Moment des Abkommens wahrnehmen. Ich war zuerst überrascht das auch nach Polen die DDR Grenze mit Todesstreifen und Grenzanlagen abgeschottet war.
Nun möchte ich Danke sagen allen die mir diese Pilgerreise möglich gemacht haben. Alle die für mich zu Hause weiter den Alltag bewältigen mussten, während ich diese besondere Zeit erleben durfte. Vielen herzliche Dank dafür !
Jürgen Bootsmann
Hier haben die Nazis die Aggregat 4, von der NS Propaganda “V2“ genannt. Die Erprobungsstelle der Lufwaffe hat von 1936 bis 1945 hier Raketen erprobt.
Besuch im Informationszentrum des stillgelegten KKW Lubmin. Eine lieblose Austellung in einer nach wie vor gespenstischer Atmosphäre.
Plattenbauten, witzig saniert. Auf dem Weg das Schloß Lufwigsburg mit der Schlosskapelle. Vor 2 Jahren war ich mit Dagmar schon einmal hier. Da bekamen wir eine persönliche Schlossführung von einer engagierten alten Dame. Heute war leider keiner vor Ort, ein Nachbar erzählt mir das die Sanierung nicht weiter geht. Schade...
Ich werde von 2 Schlipstträgern für einen Mitarbeiter gehalten. Sie begrüßen mich empathisch, und merken in ihrer Anspannung nicht das ich ein radelnder Pilger bin. Eine absurde Situation, sie müssen von einer Mitarbeiterin des KKW gestoppt werden da sie mich für einen Mitarbeiter des Unternehmens halten. Der jüngere stellt sich vor und spricht irgendwelche Floskeln. Seine Anspannung ist unglaublich, was haben die für einen Druck. Ich flüchte schnell aus dieser Situation. Überhaupt ist es ein gespenstischer Ort, vor 26 Jahren hat hier die DDR noch 12 % ihres Strombedarfs abgedeckt. Da können wir nur froh sein das die Wende gekommen ist, auch wenn ich die Gebäude nur vom weiten sehe.
"Reisen verlangt die Bereitschaft sich einem Risiko auszusetzen"
"Wir tun es, weil Fremdheit zwar bedrohlich, aber gleichzeitig verlockend ist. Nur wer die Angst bezwingt und das Bedürfnis nach vertrauter Umgebung suspendiert, wird den Gewinn genießen, den wir uns vom Reisen erhoffen. "
" Fremdheit ist keine Eigenschaft einer Person oder eines Ortes. Sie spiegelt die Empfindung von Distanz zwischen dem Vertrauten und dem Neuen. "
" In der Fremde sind wir aufmerksamer, sehen mehr und hören genauer hin. Statt in den vorgegebenen Bahnen des Alltags bewegen wir uns auf unbekanntem Terrain. Tastend, voller Spannung, staunend.
" Was selbstverständlich ist, weil es immer so war, bleibt dem bewussten Hinterfragen entzogen. Es liegt in jenem toten Winkel, in dem auch Vorurteile gedeihen. Urteile über die Welt, bevor wir sie angeschaut haben.
Zitate von Stephan Thome, Schriftsteller
Wir sind Suchende
solange wir über diese Erde wandern.
Vielleicht muss unser Suchen
sich wandeln lassen
in Stillsein und Schweigen
in Loslassen und Vertrauen,
empfangsbereit
und offen werden,
hellhörig und weitsichtig,
achthaben
auf die leisen Winke,
die geheimen Zeichen am Weg,
ob einer uns sucht,
uns entgegenkommt
auf unserem Lebensweg.
Dann wird unser Suchen
womöglich zum Sich-finden-Lassen
über alles Fragen und
Suchen und Sinnen hinaus.
Benedikt Werner Traut
Wie habe ich Beziehungen früher gelebt?
Wie heute?
Wie hat sich meine Idee von Beziehung im Laufe der Zeit gewandelt?
Durch was?
Was ist Beziehung für mich heute?
Überfang !
Nicht ein Stück der Natur lässt sich noch genießen. Wo nicht stinkende DDR Autos 🚗 durch die Gegend knattern, hängen NPD - Sonnenschirme von den Balkonen. Wo keine Platten stehen, errichten Imobilienhaie hässliche neue Gebilde und wo keine saufenden Studenten den Strand verhunzen, schmücken Kackhaufen von bissigen kniehohen Kötern die Landschaft. Oder die Nackbadenden, denen die SED nicht aus dem Kopf zu treiben ist, stören. Nichts brennt jedoch so in den Augen wie diese Rutenfritzen, diese Warmduscher, Gelbphasenbremser und Möchtegernpiraten. Menschen, die nicht Manns genug sind, auf einem Schiff durch die Gegend zu eiern und trotzdem meinen, Kontakt zum Wasser haben zu müssen. Die Rede ist von Anglern. Die Privatfischerei fügt den hiesigen Ökosystemen riesigen Schaden zu, auf keiner Wiese am schönen Ryck kann man sich mit einem Mädchen 👧 im Sommerkleid vergnügen, überall stehen sie. Die Angler.
Vor einem Monat bin ich ins Feindeslager gewechselt. Gibt es ein erhebendes Gefühl, als das Erfolgserlebnis, etwas richtig Schönes an der leicht biegsamen Rute zu spüren, die ich in der Hand ✋ halte? Und danach angeln zu gehen, ist besser als die die berühmte Zigarette danach. Ich stehe im Mitternachtslicht am Fluss, mein Körper gleitet durch das Wasser und die Sterne bescheinen meine kahlen Stellen am Kopf. Diese Ruhe. Der Frieden. Da ist noch das kleine bisschen Natur, das ich im Alltag so vermisse. Allen anderen nehme ich diese Ruhe weg durch meine Anwesenheit und das Platschen, wenn der Stock auf den Kopf des Tisches knallt, macht die Misere auch nicht besser. Was soll's....
Jonas Greiten in moritz.magazin no. 124 Juni 2016
“Jedwede nachhaltige Veränderung beginnt mit der Transformation auf der Ebene der inneren Haltung“
“Wenn ich meine geistige Haltung ändere, ändern sich meine Handlungen“
Während meiner Pilgerreise ist es das erste Mal das ich drei Nächte an einem Ort übernachte. So habe ich plötzlich mehr Zeit zum inne halten Infos schauen was ist passiert mit mir auf der Reise.
Im Pommerschen Landesmuseum finde ich eine spannende Ausstellung zur Landesgeschichte. Hier sind 14.000 Jahre Geschichte sehr anschaulich dokumentiert. Religion nimmt dabei einen grossen Raum ein.
Ich kann erst heute von meiner Tortur von Stralsund nach Greifswald erzählen. Gestern nach einem traumhaft schönen Tag auf der Insel Hiddensee war ich erst um 19.00 Uhr in Stralsund zurück. Mit bester Laune nahm ich die Strecke nach Greifswald in Angriff. Aber dann ging es hinter Devin los, Betonplatten mit riesigen Löchern waren zu befahren. Das aber war nur der Anfang, letztlich waren es 50 km auf Untergrund der einfach nur weh tut. Die letzten 40 km bin ich auf einer schnurgeraden Kopfsteinpflaster Allee gefahren. Eigentlich wunderschön, wenn nur dieser Untergrund nicht wäre. Stellenweise habe ich die Strecke als grüne Hölle erlebt. Erst ganz kurz vor der Stadt Greifswald, dann die Erlösung, Asphalt. Die Folgen der Tour habe ich heute erlebt. Rückenschmerzen und müde Glieder wie sonst nicht auf der ganzen Tour. Eben Erichs späte Rache...
Das hätte ich mir nicht träumen lassen. Jetzt sitze ich tatsächlich beim Klausner, das Ausflugslokal auf dem Hausberg von Hiddensee. Der Klausner steht als Ort im Mittelpunkt des Romans "Kruso". Der Held der Geschichte gerät kurz vor der Wende 1989 auf die Insel. Hier im Klausner wird er Spüler in der Küche. Er lernt eine Parallelwelt von Flüchtlingen und Systemgegnern kennen. Hier auf der Insel erlebt er die Wende auf sehr besondere Weise. Beim Einschiffen in Stralsund lerne ich Sabine und Jörg aus Gießen kennen. Er ist in Stralsund geboren, seine Eltern haben kurz vor dem Mauerbau nach Gießen rüber gemacht. Obwohl der Vater als Arzt in der Stralsunder Klinik tätig war und eine kleine Privatpraxis betreiben durfte. Die Freiheit waren Ihnen trotz aller Privilegien wichtiger. Auf dem Schiff zurück von Hiddensee treffe ich das Pärchen wieder, dazu gesellt sich Marie mit ihrem kleinen Terrier. Sie ist 31 Jahre alt, arbeitet und lebt seit ein paar Jahren auf der Insel. Sie berichtet von vielen Alten die immer noch in ihrer "DDR" Welt leben. Auch berichtet sie von den braunen Dörfern im Hinterland von McPomm. Mit einem Punk Freund war sie auf einem Dorffest bei Greifswald, als Begrüßung wurde Ihnen der Hitler Gruß entgegen gehalten. Mir fällt ständig auf das die Jungen offen, unbefangen und freundlich daher kommen.