Mittwoch, 6. Juli 2016

Text gefischt:

Überfang !
Nicht ein Stück der Natur lässt sich noch genießen. Wo nicht stinkende DDR Autos 🚗 durch die Gegend knattern, hängen NPD - Sonnenschirme von den Balkonen. Wo keine Platten stehen, errichten Imobilienhaie hässliche neue Gebilde und wo keine saufenden Studenten den Strand verhunzen, schmücken Kackhaufen von bissigen kniehohen Kötern die Landschaft. Oder die Nackbadenden, denen die SED nicht aus dem Kopf zu treiben ist, stören. Nichts brennt jedoch so in den Augen wie diese Rutenfritzen, diese Warmduscher, Gelbphasenbremser und Möchtegernpiraten. Menschen, die nicht Manns genug sind, auf einem Schiff durch die Gegend zu eiern und trotzdem meinen, Kontakt zum Wasser haben zu müssen. Die Rede ist von Anglern. Die Privatfischerei fügt den hiesigen Ökosystemen riesigen Schaden zu, auf keiner Wiese am schönen Ryck kann man sich mit einem Mädchen 👧 im Sommerkleid vergnügen, überall stehen sie. Die Angler.
Vor einem Monat bin ich ins Feindeslager gewechselt. Gibt es ein erhebendes Gefühl, als das Erfolgserlebnis, etwas richtig Schönes an der leicht biegsamen Rute zu spüren, die ich in der Hand ✋ halte? Und danach angeln zu gehen, ist besser als die die berühmte Zigarette danach. Ich stehe im Mitternachtslicht am Fluss, mein Körper gleitet durch das Wasser und die Sterne bescheinen meine kahlen Stellen am Kopf. Diese Ruhe. Der Frieden. Da ist noch das kleine bisschen Natur, das ich im Alltag so vermisse. Allen anderen nehme ich diese Ruhe weg durch meine Anwesenheit und das Platschen, wenn der Stock auf den Kopf des Tisches knallt, macht die Misere auch nicht besser. Was soll's....

Jonas Greiten in moritz.magazin no. 124 Juni 2016

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